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Über Stuck und Stein

Ein Spaziergang durch die Kirchengeschichte

Zum Bezirksfrauennachmittag kamen nach Brehmen die Frauen aus dem ev Kirchenbezirk Odenwald
Tauber, nach einem ersten Lied und der herzlichen Begrüßung durch das Leitungsteam, Rose Waschek,
Beate Gültig und Andrea Stahl durften die Anwesenden sich zunächst bei Kaffee und Kuchen austauschen
und aber auch bei den kleinen ehrenamtlichen Verkaufstischen der Bücherecke Boxberg und des Ein Welt
Ladens Osterburken ihre Kauflaune ausleben.
Gespannt waren die Gäste schon auf den Vortrag, welcher kurzweilig, und mit Liedgut passend zur
jeweiligen Epoche von der Rednerin Frau Kautzmann gespickt wurde.
Frau Juliane Kautzmann ist seit 2024 Pfarrerin in Adelsheim hat sie ihre erste Pfarrstelle angetreten, sie
hatte europäische Kunstgeschichte in Heidelberg studiert und hatte über das weitere Theologiestudium
den Pfarrberuf ergriffen, geboren im Bauland in Sindolsheim, freute sie sich in Heimatnähe eine Pfarrstelle
in Kooperationsraum Bauland-Jagst bekommen zu haben.
Ihren Vortrag untermalte die Rednerin mit Bildern zur jeweiligen Epoche und hielt dabei aber immer auch
das jeweilige passende Liedgut, welches in unseren Gesangbüchern zu finden ist, im Blick.
So begann alles damit, dass sich die ersten Christen bis etwa 312 n.Chr. noch in privaten Häusern trafen,
dann mit Kaiser Konstantin wurde die Kirche als Staatsreligion angesehen. Seither gibt es auch die
Sonntagsruhe und aber auch das Weihnachtsfest am 25. Dezember. Es entstanden die Ersten Kirchen, als
Beispiel sahen die Gäste Fotos der Basilika Santa Sabina - Rom anno der 430 er Jahre.
Es gab die ersten Lieder welche noch lateinisch gesungen wurden so das das Gloria in exelsis Deo, zu hören
war es in einer Version eines Chores mit Vorsänger.
Danach kam die Zeit der Karolinger und Franken ab 800 n Chr. Unter Karl dem Großen entstanden die
ersten Klöster – die Romantik zeigt uns Ihren Anblick am Beispiel des Doms in Speyer (1061). Es gab wenig
Fenster – die Kirche sollte eine Festung sein gegen das Heidentum – hier kamen die ersten Orgeln in die
Kirchen, mit dem Pfingsthymnus, „Vini creator spiritus“ versetzte uns Frau Kautzmann in diese Zeit
musikalisch zurück, auch dieser wurde noch in Latein vorgetragen.
Der Handel blühte und die Universitäten in Heidelberg oder Prag entstehen – die Kirche prägt das Denken –
wir kommen in der Gotik an im 12.-15 Jh.. Das Freiburger Münster und der Kölner Dom, aber auch das
Ulmer Münster mit seinem bis vor kurzem noch höchsten 161,63 m hohen Glockenturm entstehen –
Alles zieht nach oben in den Himmel um den Höchsten zu Ehren, alles wird ganz filigran.
Jetzt entsteht unser erstes Kirchenlied welches wir heute noch als Osterlied kennen
im ev. Gesangbuch Nr. 99 zu finden: Christ ist erstanden.
Im 15 und 16. Jh. Steht der Mensch im Fokus, die Kirche ist im Aufruhr – die Renaissance bestimmt die
Architektur – die Antike wird wieder entdeckt – am Petersdom (1506 – 1626 gebaut) gut zu sehen.
Alles soll gefällig fürs Auge sein. Der Kirchraum wird bemalt, ausgeschmückt – die Künstler dürfen zeigen
was sie können – es kommt zur Reformation und unter Luther entstehen viele neue Kirchenlieder, so auch
das Lied : Ein feste Burg ist unser Gott, welches gemeinsam unter musikalischer Begleitung am Klavier mit
Frau Steinmetz von den Frauen gesungen wurde.
Der 30 jährige Krieg trifft die Menschen hart – Selig zu Sterben, ist der fromme Wunsch der armen Leute –
Es wird aber auch dramatischer – wir sind im Barock angekommen. Als Beispiel führt uns Frau Kautzmann
die Frauenkirche in Dresden 1723-1743, aber auch die Kirche Vierzehnheilgen in Staffelstein vor Augen– es
hat Stuck und Deckengemälde in sinnlicher Pracht – der Barock will Emotionen wecken.
Hier kommt es nochmals zur Steigerung der Rokoko bringt die Orgel nun endlich richtig ins Spiel – die
Familie Bach prägt dies Zeit – aber auch Dichter wie Paul Gerhard sind am Werk.
Altbekannte Lieder wie: Wachet auf ruft uns die Stimme entstehen.
Die Frauen aber singen Geh aus mein Herz und suche Freud – eines der bekanntesten Kirchenlieder von
Paul Gerhard überhaupt.
Es kommt die Aufklärung – Napoleon und der Alte Fritz, Friedrich der Große bestimmen nun wie das Leben
sein darf. – alles gerade und zielstrebig – zackig wird es.
Wir sind in der Mitte des 18. Jh. – die Paulskirche in Frankfurt und die Nikolaikirche in Berlin-Potsdam
entstehen - gerade Linien aus der Antike werden aufgenommen - fast schon militärisch akkurat muss es
sein.
Aber auch die Frauen kommen ins Spiel – der Biedermeier prägt die Gesellschaft – das Heimchen am Herd
wird geboren, die Familie rückt in den Focus – Lieder wie Stille Nacht oder Ihr Kinderlein kommet werden
komponiert.
Die Marschmusik rückt in die Kirchen ein – die ersten Posaunenchöre werden gegründet.
Lieder wie „Großer Gott wir loben dich“ dürfen nicht mehr fehlen – auch diese Lied wurde während des
Nachmittags mit den Gästen gesungen.
Nun sind wir da – in der Moderne – bedingt durch zwei Weltkriege mussten viele Kirchenräume neu
gedacht werden, neu erbaut werden.
Drei Kirchenräume zeigt uns die Refertin – die Ludwigskirche in Freiburg (1952) – ein roher Baustil – es gibt
Stühle – keiner will mehr in Reih und Glied, das hatte man im 2.Weltkrieg genug geübt in den Bänken
sitzen – die Kanzel kommt auf den Boden – es soll niemand mehr von oben herab Reden schwingen dürfen.
St. Joseph in Baden-Baden (19560) hier spielt der Kirchenraum mit Licht und Schatten – ganz schlicht sollte
alles sein.
Und schlussendlich durften die Frauen ein Foto der Herz -Jesu Kirche welche in München 1998 gebaut
wurde bestaunen, Quadratisch- Praktisch Gut – so empfindet man der Anblick.
Als Abschluss Lied zum Vortrag wurde 665 gesungen: Wir haben Gottes Spuren festgestellt.
Das Leitungsteam bedanke sich bei Pfarrerin Kautzmann mit einem herbstlichen Blumenstock.
Bei der Kollekte stellte Frau Waschek für ein Projekt in Indien vor – Widows hope – Hoffnung für Witwen –
Es folgen noch Hinweise zu den nächsten Terminen: der Arbeitskreis trifft sich am 3.11.26 um 18:00 Uhr in
Sindolsheim im ev. Gemeindehaus – zum Austausch.
Ein Segen und ein Dank an alle Verantwortliche folgte und Frau Stahl wünschte den ca 70 Gästen einen
guten Heimweg, mit dem Gedanken nun mit ganz anderen Augen alte Kirchenräume zu besichtigen.
 
Hier finden Sie die Kirche in Hardheim