Gedanken zum Sonntag

- 27.04.2018 - 

In Schieflage Halt finden

Ein merkwürdiger Baum säumt den Wegrand. Ich schaue näher hin und entdecke: Das, was ich sehe, ist gar kein Stamm, sondern ein Ast, der sich von oben her eingewurzelt hat. Meine Augen folgen dem Ast und ich erkenne den Grund: Der Baum selbst ist in Schieflage geraten. Im 45 Grad-Winkel ragt er aus dem Boden. Nie könnte er sich so auf Dauer halten. Aber seine Äste und andere Bäume drum herum bilden ein Geflecht, das dem schiefen Stamm Halt gibt.

So kann es gelingen, in Schieflage nicht zu Boden zu gehen! Dieser Gedanke geht mir durch den Kopf, als ich den Baum betrachte. In einer solchen Situation kommt viel darauf an, mich auf meine eigenen Möglichkeiten zu besinnen, neue zu entdecken und mich von anderen stützen zu lassen. Und wer weiß? Möglicherweise erlebe ich so Gemeinschaft in ungeahnter Weise.

Immer wieder begegnet mir das in meinem Alltag als Seelsorgerin: Eine schlimme Krankheit bringt alles durcheinander. Ein Unfall verändert den Alltag von einem Augenblick auf den anderen. Die Firma versetzt den Vater an einen anderen Standort, ohne Rücksicht auf die Familie. Wie soll das nur weitergehen? Sorgen drohen die Betroffenen zu erdrücken. Und dann? Es geschieht, dass Nachbarn, die Großeltern, eine Freundin einspringen und zur Stütze werden. Vielleicht hilft ein Therapeut, neue Schwerpunkte im eigenen Leben zu setzen, sich gleichsam an einer weiteren Stelle einzuwurzeln.

Gewiss bleibt manches mühsam. Die eigene Kraft kommt an Grenzen. Manchmal fühlen wir uns eingeengt in diesem Korsett eigener Anstrengungen und fremder Hilfe. Und doch: Nur so kann es weitergehen - wie bei dem Baum in Schieflage, der weiter wachsen kann, Blätter trägt, sie im Herbst abwirft und im Frühjahr neue treibt und vielleicht sogar Früchte hervorbringt. Pilze und Kleingetier finden Schutz unter seinem Schatten.

Manchmal ist erstaunlich, für wen ein Mensch, eine Familie in Schieflage durch die Hilfe anderer zum Segen wird.

Gott verheißt uns kein sorgenfreies Leben. Aber er sagt uns zu: Ich bin bei dir, was auch immer geschieht. Ich bin der "Ich bin für dich da". Meine Engel sende ich dir zur Seite, dich zu ermutigen, dir weiterzuhelfen oder auch: dir ins Gewissen zu reden. Aber sei getrost: Darauf ist Verlass, auch dann, wenn du nichts von mir zu sehen und zu spüren meinst. Schau in einer ruhigen Stunde hin und entdecke meine Spuren: Kraft und Hilfe, Stütze und Halt, oft verborgen in denen, die dir Stütze und Halt sind.

 

Irmtraud Fischer, Pfarrerin in Buchen

 
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