Gedanken zum Sonntag

- 04.07.2018 - 

Verlieren - Gewinnen

 "Das Spiel ist aus" - Enttäuschung, Kopfschütteln und Resignation schwangen bei den Worten des Reporters mit. Denn wenige Minuten vor dem Abpfiff des Fußballspiels Deutschland gegen Südkorea während der Weltmeisterschaft war klar: Da war nichts mehr zu holen.

"Das Spiel ist aus" - Das galt nicht nur für dieses Spiel, sondern für das gesamte Turnier. Aus, vorbei der Traum von der Verteidigung der Weltmeisterschaft!

Gewinnen - verlieren, verlieren - gewinnen, sie gehören zu unserem Leben dazu. Niederlagen bewahren uns vor Hochmut und Selbstüberschätzung, Siege und Erfolge stärken unser Selbstvertrauen. An beiden können wir wachsen und reifen.

Als unangemessen empfinde ich es, wenn sich Schadenfreude oder gar Häme über die Verlierer ergießt - auch wenn diesen nicht selten all zu große Siegesgewissheit vorausgeht. Auch davon war in diesen Tagen zu lesen. Kein Mensch verliert gerne und auch keine Mannschaft. Lehrreich wird die Trauer über das eigene Versagen, wenn ihr Fehleranalyse sowie notwendige Änderungen folgen. Und dann heißt es: abhaken, nach vorne sehen und mutig die nächsten Schritte wagen.

Gewinnen - verlieren, scheitern - erfolgreich sein sind Grunderfahrungen unseres Lebens - und unseres Glaubens. "Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern", beten wir im Vater-unser. Wir können nur fröhlich und getrost leben, wenn wir das, was nicht rund läuft, Gott übergeben und, wenn es andere betrifft, mit diesen klären. Dann werden wir davon befreit, ständig über Misserfolge nachzugrübeln, die wir nicht ändern, aber aus denen wir lernen können. "Hätte ich doch bloß ..." - "Wäre ich bloß nicht ..."

Das fängt schon bei ganz kleinen Dingen an. Mich beeindruckt deshalb der - vorgestellte - Eimer, in den unser sehr routinierter Organist seine falschen Töne wirft. Ich schicke übrigens meine Versprecher und kleinen Pannen hinterher: "Danke, Gott, dass sie mich nicht mehr belasten müssen!". Wer immer sich von Gott gehalten weiß, kennt die befreiende Kraft der Vergebung. Der braucht - eigentlich! - nicht schadenfroh die Pannen oder das Scheitern anderer zu kommentieren. -

Zudem hat Gott ein Herz für die, die um ihre Schwächen wissen, und für die, die andere klein machen. Wer Fußballweltmeister 2018 wird, entscheidet sich morgen.

Als Christen sind wir durch den Glauben an Gott Gewinner - selbst dann,  wenn wir verlieren. Denn unser Wert besteht nicht in dem, was wir leisten und vorzuweisen haben, sondern in Gottes Liebe. Da mag das Spiel aus sein, bei Gott bleiben wir bis in Ewigkeit im Spiel - ohne Angst vor dem Ausscheiden. Und er ist der beste Coach, den wir uns vorstellen können!

 

Irmtraud Fischer, Pfarrerin in Buchen