Joseph, der Mann der Maria, ein Vorbild für heute?!

- 08.01.2018 - 

Wenn ich ganz ehrlich bin, mit diesem Joseph konnte ich lange Zeit nichts anfangen. Vielleicht noch die Worte aus dem Weihnachtslied: „Da liegt es, das Kindlein, auf Heu und auf Stroh, Maria und Joseph betrachten es froh.“ Das war es dann schon, eine unbedeutende Figur neben dem Kind und der Maria.

 

 

 

Doch mit den Jahren wurde ich dann hellhöriger. Geredet hat der Joseph nicht so viel. Aber er war Architekt, Maurer, Zimmermann, also Häuslebauer in Einem. Jesus hatte dasselbe Handwerk. Und im Judentum war und ist der Vater der Lehrer auch in religiösen Dingen. Also Joseph der Lehrer des Heilands, nicht nur im Beruf? Ein Vorbild für Jesus? Für mich, für Männer und Frauen? In der Bibel finde ich an keiner Stelle, das Joseph geredet hat. Meine  Frage deshalb: Könnte es nicht sein, das es einen Glauben gibt, der kaum Worte braucht, sondern das Hören, das Gehorchen und das Tun? Dann haben auch die Verkündiger nichts anderes zu tun, als zu hören, zu gehorchen und das Wort klar zu sagen und es dann auch tun.

 

Zunächst die Ausgangssituation. Joseph ist verlobt. Die Verlobung war damals ein festes Eheversprechen, das nicht gebrochen werden durfte. Abgemacht zwischen den Eltern, Hinderungsgrund für die Eheschließung war nur, dass ein Partner das Erwachsenenalter nicht erreicht hatte. Und jetzt war Joseph mit der Tatsache konfrontiert, dass seine Braut schwanger war. „Die redet da etwas von Heiligem Geist und Gott wäre über sie gekommen. Die will sich nur nicht der Verantwortung stellen. Andererseits, wenn ich sie nicht heirate, ist sie von der Gesellschaft ausgeschlossen. Ich liebe diese junge Frau. Heiraten kann ich sie nicht mehr, wer garantiert mir, dass die nicht in kurzer Zeit wieder fremd geht? Denn das ist ja offensichtlich, sie hat mich betrogen“. So könnte Joseph gedacht haben. Was kann er tun?

 

Bringt er den Betrug an die Öffentlichkeit, ist Maria für alle Zeit gebrandmarkt und sozial von der Gesellschaft ausgegrenzt. Ihre Eltern, auch wenn sie es wollten, könnten sie und das Kind nicht mehr versorgen, weil es das Kind aus einem Ehebruch, weil es ein Hurenkind ist. Eine furchtbare Schande für Maria. Wären nicht die Römer im Land, Maria wäre gesteinigt worden. Was tun, wie kann Joseph die Schande für Maria abwenden? Er kam zu dem Schluss: Ich verlasse die Maria. Dann habe ich die Schande auf mich genommen, nicht für mein Kind sorgen zu wollen, aber sie kann in Ehren zurück zu ihren Eltern und ist dann mit ihrem Kind versorgt. Die Schande, die hat Joseph dann auf sich genommen,  außer der Scham, die der Maria bleibt, die er nicht wegnehmen kann, hat er sein menschenmögliches getan. Schon als ganz profaner Mensch ist uns Josef ein Vorbild. In meinen Augen ein ganzer Mann, denn er übernimmt für die Frau, die er liebt und die ihn doch anscheinend betrogen hat, die Schande und damit die volle Verantwortung für das Scheitern der Verlobung und sichert damit das soziale Überleben für Maria und das Kind.

 

Erst jetzt, nachdem die Bibel uns Josef als barmherzigen, verantwortungsvollen Menschen vorgestellt hat, kommt noch ein anderer Josef zum Vorschein. Einer, der auf die Weisungen Gottes hört. Der empfindsam ist, für das, was Gott von ihm will. Auch das macht richtige Männer aus. Die suchen in der Bibel nach dem Willen Gottes und hören darauf, was Gott ihnen zu sagen hat. Josef erfuhr den Willen Gottes vom Engel im Traum, aber eben nach gründlicher Glaubens- und Herzensbildung. Er nimmt die Maria zu sich als Ehefrau. Er wird ihr ein guter Ehemann und Vater ihres Kindes. Wir können nun lange über die Jungfrauengeburt streiten, das aber steht auf einem anderen Blatt. Die Bibel bezeugt und ich glaube dem auch, dass Joseph erst nach der Geburt Jesu seine Maria erkannt, also mit ihr geschlafen hat. Denn auch heute kann ein Ehemann nicht einfach seine Frau in Anspruch nehmen und gebrauchen und über sie verfügen, denn der Ehestand ist genauso ein heiliger, vor Gott verantworteter Stand wie die Ehelosigkeit, in dem beide Partner sich gegenseitig schenken. Das hat Joseph vorbildlich eingehalten. Diese gegenseitige Rücksichtnahme, der gegenseitige Respekt, die Achtung vor dem Geschöpf Gottes, das uns im Partner anvertraut ist, die würde auch heute manche Ehe am Leben erhalten. Das würde vielen Eltern und vielen Kindern, unsägliches Leid ersparen.

 

Joseph ist nun gezwungen, sich mit seiner schwangeren Frau auf den Weg nach Bethlehem zu machen. Auf Grund eines kaiserlichen Dekrets. Das kann er nicht verhindern, wohl aber sucht er für seine hochschwangere Frau eine Unterkunft. Die Hirten fanden sie dort, beide, Maria und Joseph mit dem Kind im Stall. Man könnte meinen, der Joseph steht nur daneben. Doch ist das nicht so, wenn wir Männer Väter werden? Dass wir zunächst daneben stehen, neben diesem Wunder, das da mit Mutter und Kind geschieht? Klar werden wir heute in die Geburtsvorbereitung und auch während der Geburt eingebunden, doch außer dabei sein und unterstützen können wir auch heute nicht vielmehr tun. Und doch tun wir viel mehr. Wir übernehmen, wenn wir es richtig machen, den Schutz dieser neu entstandenen kleinen Familie nach außen. Der Joseph zeigt das schon dadurch, dass er dem Kind den Namen Jesus gibt. Er nimmt Jesus damit als sein Kind, als seinen Sohn an. Jesus hat nun neben Gott auch den irdischen Vater. Da gibt es keine Diskussion mehr über die Empfängnis, Jesus ist für alle Welt das Kind Josephs. In Ehren geboren. Das zeichnet einen wahren Mann aus, das er sich vor Frau und Kinder stellt und für sie als vor Gott verantwortlich sorgt. Das heute sowohl Frauen als auch Männer weniger auf Fürsorge denn auf Machogehabe stehen, führt zu  solchen Auswüchsen wie die derzeitige Aktion #me too traurigerweise aufzeigt.

 

Doch zurück zu Joseph. Als Herodes der Große aus Eifersucht die männlichen Kinder unter zwei Jahre in Bethlehem töten lies, wurde Joseph von einem Engel im Traum gewarnt. Josef lässt sich wieder von Gott ansprechen und bringt seine Kinder in Ägypten in Sicherheit. Welch eine Leistung, denn das musste alles zu Fuß gemacht werden. Wie viele Bedrohungen waren dabei zu meistern. Durch Wüsten, bedroht von Räubern, von marodierenden Soldaten. Die Flüchtlinge aus den heutigen Kriegsgebieten oder aus Ländern mit tyrannischen Regierungen berichten nichts anderes. Joseph hat das auf sich genommen und die Familie in Sicherheit gebracht. Später dann, nach dem Tod des Tyrannen Herodes ging er zurück nach Bethlehem, nahm seinen alten Beruf wieder auf, gründete eine Existenz und erzog und lehrte seinen Sohn sowohl in seinem Handwerk als auch in seinem Glauben.

 

Joseph, ein ganzer Mann, der Verantwortung für sich und seine Familie übernimmt, der ein bedürftiges Kind als eigenes aufnimmt, der Gott gehorcht, der seinen Sohn lehrt und ihn sowohl im Glauben als auch für das Handwerk eines Hausbauers zurüstet. Ein Mann, der bereit ist, die Schande der Maria zu übernehmen, wie später sein Ziehsohn die Schande der Sünde und der Schuld der ganzen Menschheit am Kreuz übernimmt und damit seinem Namen gerecht wird: Jesus „Gott rettet“ im Heiland die glaubende Gemeinde von Sünde, Schuld, Hölle und Tod.

 

Wir brauchen wieder Männer, wie der Joseph einer war.

 

Pfr. Karl Kreß, Walldürn