Erinnerung an Jochen Klepper

- 08.12.2017 - 

 

„Diese Kirche ist mein Todfeind. Aber ich kann nicht aus ihr austreten. Es hält mich etwas, das bis auf den ersten Jüngerkreis zurückreicht.“

 

Jochen Klepper schreibt das, 1932 ... Und er wird tatsächlich nie aus der Kirche austreten ...: Wohl aber aus dem Leben ...: Im Advent vor 75 Jahren,

in der Nacht vom 10. auf den 11. Dezember 1942, stirbt er von eigener Hand, und mit ihm seine jüdische Frau Hanni und die Stieftochter Renate.

 

 

Sein letzter Tagebucheintrag gibt Zeugnis von diesem lange geplanten Schritt:

„Nachmittags die Verhandlung auf dem Sicherheitsdienst.

Wir sterben nun – ach, auch das steht bei Gott –

Wir gehen heute Nacht gemeinsam in den Tod. Über uns steht in den letzten Stunden das Bild des Segnenden Christus, der um uns ringt.

In dessen Anblick endet unser Leben.“

 

Am nächsten Morgen findet die Hausgehilfin einen Zettel „Vorsicht Gas!“ an der Küchentür - und drei Tote.  Die Ausreisegenehmigung für das Asyl in Schweden war abgelehnt worden. Zwangsscheidung und Deportation von Frau und Tochter waren nur noch eine Frage von Tagen.

Da wirft sich die Familie lieber Gott in die Arme:

Und flieht zu dem, der Liebe ist und Leben ...

 

Mich berührt das tiefe Gottvertrauen, in dem Jochen Klepper lebt und stirbt ...

Es spricht aus jeder Seite seines Tagebuchs ...

Und aus seinen Kirchenliedern ...: Gespräche sind sie mit Gott; Gebete, um ein Bibelwort tastend ...

Jetzt, in diesen Tagen, haben Sie vielleicht auch schon sein Adventslied gesungen: „Die Nacht ist vorgedrungen ...“

 

Nachterfahrungen kennt wohl jeder von uns ...:

Die Nacht der Trauer, die so bleischwer auf uns liegt, dass wir kaum noch Luft bekommen ...

Die Nacht der Angst und Todesangst...: Wenn wir wissen: „Heilung gibt es nicht ... Es geht jetzt diesen Weg ... Ich muss mit der Krankheit leben und bald auch sterben, vielleicht begleitet – aber letztlich doch allein ...“

Die Nacht des Zweifels und der Anfechtung ...: Wenn der Glaube nicht mehr trägt ...

Oder wenn ich merke ...: Er ist mir einfach abhandengekommen ... Ich wollte doch gar nicht nicht glauben ... Es ist einfach so passiert ...!!

Oder ...: Wenn ich schuldig geworden bin, und kann nicht ungeschehen machen, was ich zutiefst bereue ... Und muss jetzt leben mit dem, was ich angerichtet habe  - in meinem Leben und in dem der anderen ...

 

Jochen Klepper hat in all seinen Nachterfahrungen an Gott festgehalten ... In Finsternis und Verzweiflung war ER, der verborgene Gott, ihm immer noch letzte Zuflucht ... Das Kreuzeswort Jesu: „Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist!“  - er hat es nachbeten können ...

 

Zwei Gedanken lasse ich mir mitgeben von Jochen Klepper an diesem Wochenende:

Sein Wort über die Kirche ...:

Sie ist mehr als das, was ich sehe ...!

Getauft und in eine Gemeinde gestellt, sind wir alle verbunden mit dem ersten Jüngerkreis ... Verbunden mit DEM, der uns letztlich gerufen hat in der Taufe ...

 

Behalten will ich mir auch  sein Wort über den Segnenden Christus. Ihn hat die Familie in ihren letzten Stunden vor Augen. Segnend verspricht er ihnen: Gott ist da ...

Jetzt, in den Stunden der Verzweiflung ...

Und dann jenseits der Tür, durch die sie gehen ...

Durch die wir alle irgendwann gehen ...

 

Dass Sie IHM schon in dieser Zeit vertrauen, und nicht erst in jener über IHN staunen, das wünsche ich Ihnen ...

 

Gesegneten Sonntag...!

Julia Ehret, Pfarrerin für Buch und Brehmen