Gedanken zum Sonntag

- 22.05.2017 - 

Christi Himmelfahrt

Natürlich würde ich gerne Jesus einladen können. Einladen zu einem Gottesdienst und er erzählt uns ein Gleichnis, wie Gott zu uns steht. Natürlich würde ich ihn gerne mitnehmen in meine Schulklasse oder zu den Konfirmanden. Und er würde sie begeistern. Natürlich würde ich mich gerne von ihm einladen lassen und er würde Fische grillen und ich könnte ihn fragen, was ich in meinem Leben nicht verstehe. Und ein bisschen beneide ich die Jünger Jesu, die den lebendigen Jesus nach der Auferstehung noch 40 Tage ganz nah bei sich hatten. 

Aber – das ist die Erfahrung der Jüngerinnen und Jünger – er was als der Lebendige für sie da, aber nur eine beschränkte Zeit. Und sie müssen ihn loslassen.  Einen Menschen loslassen ist ein hartes Geschäft. Einen, der dem Herzen nahe ist, den ich liebe, umso mehr.

Ich habe ein Bild von Ulrich Tarlatt, einem Künstlerfreund aus Bernburg vor mit liegen. Er nennt es ‚Himmelfahrt’. Tarlatt schickt unsre Augen auf eine Reise. Aus den Pinselstrichen schält sich links unten eine runde Form. Was ist das? Ich habe Tarlatt am Telefon gefragt und er hat geantwortet: „Das ist das Meer, der See. Jeder Mensch hat sein Lebensmeer, das er durchquert.“ Sträucher und Gestrüpp um den See herum. Aber was ist am Ende, wenn ich meinen Lebens-See überquert habe und am Ende angekommen bin?

Ich finde es tröstlich zu sehen: da ist eine Leiter, eine Leiter in den Himmel. Und ein Haus. Um mich aufzunehmen. Schutz und Heimat für mich, wenn auf der Erde nicht mehr länger mein Platz ist. Jesus sagt einmal: „Ich gehe hin, euch die Wohnung zu bereiten. In meines Vaters Haus gibt es viele Wohnungen“  Er muss in den Himmel fahren, um uns einen guten Platz vorzubereiten. Das öffnet die Zukunft für mich, für Sie. Christi Himmelfahrt ist das Versprechen: Hoffentlich hast du hier, auf der Erde ein Stück Heimat gefunden. Selbstverständlich ist das nicht. Millionen Flüchtlinge suchen ein Stückchen Heimat, Erde, wo sie unbedroht leben können. Und eines Tages – das darf Du wissen – wirst du wieder ein Haus finden. Einen guten Platz. Heimat. Im Himmel. Das steht bereit und offen für dich. Und deshalb musste ein fürsorglicher Jesus in den Himmel, um für uns alles vorzubereiten. So haben nicht nur wir Lebenden etwas von ihm, sondern auch die Verstorbenen.

Das wird mir in diesen Tagen wichtig, wo ich in einer Woche gleich 3 Mal auf dem Friedhof stehe. Zu wissen: eine Stückchen Heimat hat er mir vorbereitet. Und all den anderen auch. Das macht mich ruhig. Und gelassen. Und ich kann mich ohne Angst und Sorgen wieder diesem Tag zuwenden. Ich bin dankbar sein, dass ich eines Tages im Himmel ein  Dach über dem Kopf habe.

So wünsche ich Ihnen nach dem Gottesdienst in der Kirche, dem Gotteshaus ein fröhliches, gelassenes Himmelfahrtsfest, vielleicht bei einem Ausflug in der Natur, dem Erden-Haus Gottes, mit dem Ausblick auf ein – hoffentlich noch lange auf Sie wartendes – Himmelshaus, Ihr Mathias Bless, Pfarrer in Eberstadt

 

Quelle: Evang. Pfarramt Eberstadt