Wer bin ich?

- 22.01.2017 - 

Wer bin ich im Lebenswechsel? Wer bin ich, wenn andere mich sehen, von mir lesen, von mir hören, mich bewerten? Welches Bild habe ich von mir selbst? Dietrich Bonhoeffers bekanntes Gedicht kommt mir in den Sinn: „Wer bin ich? Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen? Oder bin ich nur das, was ich selbst von mir weiß? Wer bin ich? Der oder jener? Bin ich denn heute dieser und morgen ein anderer?“ In verschiedenen Situationen spüren wir die Zerrissenheit der eigenen Existenz. Wer bin ich? Einmal sind wir oben auf und dann wieder tief unten. Sicher im Auftreten, dann wieder unsicher im Handeln. Hin- und hergerissen zwischen dem, was ich von mir selbst wahrnehme, und dem, was andere mir mitteilen. Wer bin ich? Selbst im Glauben ist dieses Wechselhafte. Wenn alles glatt läuft, fällt es leicht an Gottes Liebe und Treue zu glauben. Doch wie sieht es aus, wenn Gott andere Wege führt, als ich es mir gewünscht hätte?

Quelle: Johannes Drechsler

Spätestens dann spüre ich, dass ich einen Grund bauche, der außerhalb meiner Selbst liegt. Einen festen Fixpunkt, der unabhängig ist von meinen Emotionen, von meinen Gedanken, von meinem Handeln.

Dein bin ich!

Am Ende seines Gedichtes gibt Bonhoeffer eine Antwort, die die biblischen Aussagen zur Frage „Wer bin ich“ kurz und prägnant zusammenfasst: „Wer ich auch bin, du kennst mich, dein bin ich, o Gott!“ Psalmworte fallen mir vom Kopf ins Herz: „Dennoch bleibe ich stets an dir, denn du hältst mich!“ (Psalm 73,23). Auch das Pauluswort wird in mir lebendig: „Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben… weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges… uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Jesus Christus ist, unserm Herrn.“ In einem Lebenswechsel wird deutlich, was es bedeutet, Gott zum Freund zu haben. Einen Freund, von dem ich sagen kann: Er kennt mich und lässt mich trotzdem nicht links liegen. Er sieht meine Grenzen, meine Schwächen und Fehler und steht trotzdem zu mir. Im Auf und Ab meines Lebens bleibt er an meiner Seite.

Freund bin ich!

Bei einem Lebenswechsel wird einem bewusst, wie wichtig Freundinnen und Freunde für einen sind. Menschen, die einem bei Seite stehen. Menschen, wo ich  mich nicht verstellen muss, sondern sein kann wie ich bin. Menschen, die mit mir und für mich glauben, lieben und hoffen. Gerne möchte ich für andere solch ein Freund sein. Und ich wünsche mir, dass jeder Mensch Menschen begegnet, die bei Gott gelernt haben, was Freundschaft heißt.