Gedanken zum Sonntag

- 13.10.2016 - 

Wochenspruch zum 21. Sonntag nach Trinitatis:

Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.                                                                                    Römerbrief 12,21

Das Böse begegnet uns überall. Nicht nur in Syrien, wo täglich Menschen durch Krieg und Gewalt sterben, nicht nur bei den Attentaten, die im Namen des sogenannten Islamischen Staates verübte werden, nicht nur bei einem Verbrechen, das in unserer Gesellschaft geschieht, sondern auch in unserem ganz gewöhnlichen, alltäglichen Leben. 

Da wird in übelster Weise über einen – nicht anwesenden - Politiker hergezogen, da wird in vertrauter Runde über eine Partei geschimpft, da wird in respektlosem Ton über eine Mitbürgerin des Dorfes gelästert, da wird schlecht über den Bürgermeister oder die Pfarrerin geredet u.s.w.

Das Böse begegnet uns überall. Auch in mir. Es ist besser, wenn ich nicht über andere rede, sondern bei mir anfange. Wann begegnet mir das Böse in mir? Zum Beispiel, wenn ich von jemanden heftig kritisiert werde, dann spüre ich in mir den Drang, in gleicher Weise zu antworten. „Der ist doch auch nicht besser, der soll es erst mal besser machen; ich weiß noch, wie er sich damals öffentlich blamiert hat…“. Wir schlagen ja heutzutage selten mit Fäusten aufeinander. Aber mit Worten leisten wir uns doch häufig Gefechte. Da reizt mich einer mit einer bösen Bemerkung: „Du bist doch einer, der immer zu den Flüchtlingen rennt, als gäbe es nichts Wichtigeres!“ Und schon schlage ich zurück: „Und Du verkriechst dich in deine heile Welt, in deinen Garten, als ob dich das Elend der Flüchtlinge nichts anginge!“ Ich möchte erst gar nicht aufzählen, welch bösen Worte mir zu manchen Zeitgenossen in den Sinn kommen. Die spreche ich freilich nicht aus, die schreibe ich auch nicht hier auf, aber gedacht sind sie schnell.

Ich bin davon überzeugt, dass es mir nicht guttut; solche bösen Worte und solche bösen Gedanken machen etwas mit mir. Sie geben dem Bösen Raum. Sie vergiften und verhärten mich. Und sie verhindern andere Wege, die friedlicher und versöhnlicher sein können. Aufbauende Gedanken, die zu Worten werden und schließlich auch zu Taten werden können.

Der Apostel Paulus weiß, wovon er da schreibt:Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. Ich will den bösen Worten, die an mein Ohr dringen, gute Worte entgegnen, aus denen etwas Positives erwachsen kann. Ich will denen, die schlecht über mich oder andere denken, versöhnliche Worte zusprechen, die zum Nachdenken führen und vielleicht zu einem barmherzigeren Umgang miteinander helfen. Ich will auf die Schimpfkanonaden und Hasstiraden, die mir zu Ohren kommen, mit menschenfreundlichen und respektvollen Sätzen antworten und darauf vertrauen, dass sie dem Guten dienen und uns zu einem solidarischen Miteinander helfen.

Ich habe versucht von mir zu sprechen, da ich nicht weiß, wie Sie denken oder reden. Aber mit den meisten bösen Worten und Gedanken schwingen wir uns zum Richter über andere auf. Dazu sagt Jesus in der Bergpredigt: „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet…Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge und nimmst nicht wahr den Balken in deinem Auge?“

Ich wünsche Ihnen Freude an guten Gedanken und Worten,

 

  Ihr Rüdiger Krauth,

  Dekan des Evangelischen Kirchenbezirks Adelsheim-Boxberg