Neue Strukturen, neue Köpfe – und große Erwartungen
Erste Bezirkssynode des Kirchenbezirks Odenwald-Tauber in Buchen
Mit über 100 Synodalen ist der neue Evangelische Kirchenbezirk Odenwald-Tauber in seine erste große Bewährungsprobe gegangen: In der Buchener Stadthalle kam die Bezirkssynode zusammen – ein Treffen, das gleichermaßen von Aufbruchsstimmung, organisatorischem Kraftakt und einem hoffnungsvollen Blick in die Zukunft geprägt war.
Den Auftakt bildete ein festlicher Gottesdienst, den die drei Dekanspersonen Folkhard Krall, Wibke Klomp und Ingolf Stromberger und Bezirkskantor Hyun-Soo Park gestalteten – ein bewusst gesetztes Zeichen für den gemeinsamen Weg der Evangelische Kirche in den beiden Landkreisen Main-Tauber- und Neckar-Odenwald.
Der neue Kirchenbezirk, der aus den bisherigen Bezirken Adelsheim-Boxberg, Mosbach und Wertheim hervorgegangen ist, steht für eine tiefgreifende strukturelle Neuausrichtung: Rund 70 Gemeinden mit etwa 65.000 Mitgliedern müssen sich künftig stärker vernetzen. Zehn sogenannte Kooperationsräume sind bereits entstanden – sie sollen ermöglichen, was vielerorts aus der Not geboren wurde: Zusammenarbeit statt Einzelkämpfertum.
Personalentscheidungen im Fokus
Im Zentrum der Synode standen die Wahlen – und damit die Frage, wer die Zukunft des neuen Großbezirks prägen wird.
Mit lang anhaltendem Applaus verabschiedete die Versammlung zunächst prägende Persönlichkeiten der vergangenen Jahrzehnte: Allen voran Pfarrer Karl Kreß, der die Synode Adelsheim-Boxberg 30 Jahre lang leitete, sowie Norbert Bienek, der in Mosbach sechs Jahre den Vorsitz innehatte. Kreß brachte es in seiner Abschiedsbilanz auf den Punkt: Kirche gemeinsam auch in herausfordernden Zeiten zu gestalten, koste Kraft, bereite aber auch eine große Freude.
Zum ersten Vorsitzenden der gemeinsamen Bezirkssynode wurde Ekkehard Hüneburg, gewählt, der seit 2013 Vorsitzender der Wertheimer Bezirkssynode war. Unterstützt wird er von den Pfarrerinnen Sophia Weber (Wertheim) und Rebecca Stober (Mudau) als Stellvertreterinnen.
Auch auf landeskirchlicher Ebene wurden Weichen gestellt: Mit Helmut Wießner, Jens Schwingel und Dekan Ingolf Stromberger entsendet der neue Bezirk künftig drei Vertreter in die Landessynode.
Leitungsteam wächst – Aufgaben auch
Der neu gebildete Bezirkskirchenrat spiegelt die gewachsene Größe des Kirchenbezirks wider: Neben den Dekanspersonen, ihren Stellvertretern und den Schuldekanen gehören ihm Ehrenamtliche aus dem ganzen Bezirk an – insgesamt besteht der BKR aus 25 Personen: ein breites Leitungsteam für ein komplexer gewordenes System.
Gleichzeitig bleiben zentrale Herausforderungen deutlich sichtbar. In ihrem Bericht verdeutlichte Dekanin Wibke Klomp, dass in den kommenden Jahren weitere Veränderungen anstehen: Wenn Dekan Folkhard Krall 2027 in den Ruhestand geht, wird die Leitungsverantwortung neu verteilt werden und sich auf zwei Personen verteilen. Ingolf Stromberger und Wibke Klomp werden dann mit regionalen Zuständigkeiten gemeinsam mit dem Bezirkskirchenrat den Bezirk leiten.
Zwischen Nachwuchssorgen und neuen Ideen
Wie angespannt die Lage bleibt, zeigte auch der Blick auf die landeskirchlichen Zahlen: Sinkende Kirchensteuereinnahmen und Schwierigkeiten bei der Besetzung von Pfarrstellen prägen die Situation. „Es ist schwieriger geworden, Pfarrpersonen und Diakone zu gewinnen“, stellte Landessynodaler Helmut Wießner nüchtern fest – auch wenn leicht steigende Studierendenzahlen einen kleinen Hoffnungsschimmer darstellen.
Gleichzeitig sucht die Kirche nach neuen Wegen, Menschen zu erreichen. Alternative Gottesdienstformen, Lektorenmodelle und niedrigschwellige Angebote gewinnen an Bedeutung. Besonders sichtbar wird dies bei den regionalen Tauffesten, die sich großer Beliebtheit erfreuen – ebenso wie beim neuen Format „Einfach heiraten“, das spontane kirchliche Trauungen ermöglicht.
Kirche als Lebensraum vor Ort
Neben Strukturfragen zeigte die Synode auch, wie vielfältig kirchliches Leben bleibt: von Kinderfreizeiten über Jugendnächte bis hin zu musikalischen Projekten wie der neuen Singschule Mosbach. Die restaurierte Weigle-Orgel in der Stiftskirche, die nun wieder erklingt, steht dabei sinnbildlich für das, was viele bewegt: Bewährtes erhalten – und zugleich Neues wagen.
„Nicht am Menschen sparen“
Deutlich gesellschaftspolitisch wurde es beim Beitrag der Johannes-Diakonie, die gemeinsam mit anderen Organisationen für den Erhalt sozialer Leistungen wirbt. Die Botschaft ist klar: Einsparungen dürften nicht auf Kosten von Menschen mit Unterstützungsbedarf gehen.
Aufbruch mit offenen Fragen
Am Ende dieser ersten Synode steht kein fertiges Bild, sondern ein Prozess: Der neue Kirchenbezirk ist organisatorisch gestartet – doch die inhaltliche Ausgestaltung wird die kommenden Jahre bestimmen. Das neue Leitungsteam blickt mit großem Gottvertrauen optimistisch in die Zukunft.



