| Kunstwerk des Quartals - Sommer 2010 |
Arme, reiche Kirche.
Arme, reiche Kirche. Im Augenblick hast du’s nicht leicht. Der Missbrauchsskandal hat dich beschädigt, Menschen kehren dir enttäuscht den Rücken und das kühl-nasse Wetter hat die Stimmung auf dem 2. ökumenischen Kirchentag in München spürbar eingetrübt.
Arme, reiche Kirche. Reich bist du immer noch. Du hast Häuser, genannt Kirchen, und ich vertraue darauf, dass in den allermeisten dieser Häuser Gott Wohnung genommen hat. Du hast Gemeindehäuser, in denen Kinder, Mütter, Väter, Jugendliche und Senioren zusammenkommen um zu spielen, lernen, aufeinander hören, einander Anteil geben, ermutigen, trösten, lachen….
Arme, reiche Kirche. Menschen kehren dir den Rücken, wohl. Aber viel mehr noch engagieren sich in deinem (sozialen) Raum, versuchen, der ‚Gemeinschaft der Heiligen’ Hand und Fuß zu geben.
Arme, reiche Kirche. Du stehst auf einer Verheißung, dass du bleiben wirst. Auch gegen die schweren Fehler der Mitglieder und Mitarbeiter. In welchen Formen auch immer. Als Ermutiger für das Leben. Als Spiegel für den Himmel.
Stephen Wilks, 1964 in Bridgwater, England geboren, geht durch Großstädte. Nach dem Studium in Canterbury, an der Ecole Nationale Superieure des Beaux-Arts in Paris und der Rijksakademie in Amsterdam lebt er heute in Berlin. Städte sind der Schauplatz seiner Spaziergänge. Sein Photo ist für mich eine „poetische Verdichtung von Alltagsbeobachtungen“.
° Kirche ist nicht Welt. Kirche ist von der Welt. Und viel mehr noch von Gott. Und kündet von Gott in der Welt. Und legt die Welt Gott ans Herz. Deshalb braucht es auch einen Zaun. Und ich frage: haben wir genügend Türen und Tor, um reinzugehen, um rauszugehen? Und haben unsre Kirchen - Zäune auch genügend große Maschen, damit Menschen neugierig werden? Stehen bleiben? Ihre Nase durch die Maschen stecken. Sehen, wer wir sind und was uns treibt?
° Und: haben wir „abgerüstet“ und den Stacheldraht entfernt? Denn wir stehen für das Leben. Und erheben die Stimme, wo immer Leben beschädigt wird. Verletzt wird. Eingeschränkt wird.
° Am schönsten aber: das Haus, die Halle, die wir sehen, hat ein Fenster. In dem spiegelt sich der Himmel. Als Bild. Das ist Kirche: möglichst rein und unverfälscht den Himmel spiegeln. Kirche ist nicht der Himmel, da überheben wir uns. Aber wir sind gerufen, ein glaubwürdiges Bild vom Himmel zu bieten. Für die Menschen in die Kirche. Für die Welt, die nicht zur Kirche dazugehören will. Den Raum schaffen, die Zeit geben, den Himmel nicht verstellen, Ausblicke schaffen auf Gott, die Möglichkeit bieten, dass Himmel unter uns werden darf….
Ihr Pfarrer Mathias Bless, Eberstadt
Stephen Wilks: A piece of blue sky. C-Print 2008. Privatsammlung Würzburg Bildrechte: Mathias Bless
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Aktualisiert Montag, 21. Juni 2010 |
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