| Kunstwerk des Quartals - Frühjahr 2010 |
Michael Morgner, ohne Titel; Kulizeichnung auf Papier; 2009; Privatsammlung Würzburg
Liebe Seher und Leser, mir hänge die Großköpfe aus dem Hals raus, die Lautschreier, die Haßredner, die Verkaufsnummer, die sich selbst verkaufen. Mir gehen sie auf den Nerv, die Schönredner, die Gut-Wetter-Moderatoren, die in Wachs ihre Herzen und Augen kleiden, alles an sich abprallen lassen und abtropfen lassen. Was ich wirklich brauche, das sind Menschen, die zuhören. Die nicht gleich alles besser wissen. Die auch mal mit mir schweigen können. Und die zugeben, wenn sie auch keine Lösung sehen. Denen kann ich vertrauen. Wie ist das mit Gott? Was wäre denn ein guter, glaubwürdiger Gott? Gelten da andere Kriterien? Oder müsste ich, müssten Sie in den Himmel rufen, zuweilen auch in den Himmel schreien: mir hängen die Großköpfe aus dem Hals raus, die nur dann Gott sind, wenn sie mich klein machen und klein halten? Mir gehen sie auf den Nerv, die Schönwetterrednergötter, die Verkaufsgötter, die erst mal einen gehörigen Geldbetrag verlangen, bevor ich die Pforten des Himmels passieren darf. Die Götter, die sich aus Angst vor Not und Dreck so weit in den Himmel zurückgezogen haben, dass sie keinerlei Wissen und Verständnis mehr haben für das, was auf der Erde geschieht. Die gleichmütigen Buddhas, in Wachs ihre Herzen und Augen gekleidet, alles an sich abprallen lassen und abtropfen lassen. Was ich wirklich brauche, das ist ein Gott, der zuhören. Die nicht gleich alles besser weiß. Der auch mal mit mir schweigen kann. Einem solchen Gott kann ich vertrauen. Es ist das Unglaubliche, das absolut ver-rückte, das alle Gottesbilder verrückt hat, was Jesus von Gott erzählte. Ein Gott, der nicht nur Mitleid hat, sondern mit-leidet. Ein Gott, der nicht nur die Traurigen tröstet, sondern selbst sich dem Tod aussetzt. Das hat alle Götterbilder auf den Kopf gestellt, was die ersten Christen von Jesus erzählt haben. Was ein Skandal, eine Torheit für die schönheitsbewussten Griechen und undiskutierbar für die Philosophen. Aushalten können wir diese göttliche Revolution der Gottesnähe wohl nur im Wissen um die Auferstehung, den zweiten Schöpfungstag Gottes. Aber Michael Morgner hat schon recht: ein Mensch, eingezeichnet in den Schädel. Ein Mensch, gebunden und gefesselt in das Menschengeschick: geboren zu werden. Und zu sterben. Karfreitag ist ein schwarzer Tag.“ Oh große Not! Gott selbst ist tod!“ Dabei bleibt Gott nicht stehen. Umso mehr strecken und sehnen wir uns nach dem Osterfest. Aber erst mal bleibt: Gott heuchelt nicht Verständnis, er setzt sich der letzten Situation selbst aus. Er beugt sich nicht nur aus dem Himmel den Trauernden entgegen. Er erleidet, was wir erleiden. Das macht unsren Gott so glaub-würdig. Wo immer Sie Passionszeit erleben – sein Sie gewiß: er ist in Jesus Christus nah bei Ihnen. Er versteht Sie. Er weiß, was Sie fühlen. Und manchmal braucht er unsre Hände und Herzen, um zu trösten. Zu heilen. Zu schweigen. Zu segnen. Dass es solche Menschen an Ihrem Weg gibt und im Vertrauen auf einen Gott, der da ist, Ihr Mathias Bless, Pfr |
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| Michael Morgner, ohne Titel; Kulizeichnung auf Papier; 2009; Privatsammlung Würzburg |
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Aktualisiert Mittwoch, 13. Januar 2010 |
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